Die 10 besten Tipps für dein Tongariro Alpine Crossing

Du hast vor das Tongariro Alpine Crossing zu gehen, aber weißt nicht was dich erwartet? Ich bin das Ganze zum zweiten Mal abgelaufen und habe 10 ultimative Tipps, damit die Wanderung bei deinem ersten Mal ein voller Erfolg wird! Diese Tongariro Alpine Crossing Tipps wirst du lieben, versprochen.

Tongariro Alpine Crossing
– Mangatepopo Car Park bis Emerald Lakes

02:50, der Wecker klingelt, „Inspiration“, einer dieser Töne auf meinem iPhone, die mich besonders früh morgens zur Weißglut bringen. Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, grummelt es neben mir schon: „Mach uns doch schon mal ’nen Kaffee, dann hat der noch Zeit zu wirken.“ Eigentlich wollte ich mich ja noch mal umdrehen, aber ich steckte dann im dunkeln dir 5 Stufen der Leiter nach unten. Um diese Uhrzeit blendet das Licht noch und jeder Schritt schmerzt. Ich will ins Bett! Oder wenigstens gleich keine 7 Stunden Wanderung absolvieren.

Nach dem ersten Kaffee sind dann fast alle Zweifel besiegt. Ich will den Sonnenaufgang sehen, da wo man sonst mit 100 weiteren Touristen auf türkis blaue Seen starrt und sich über den geschafften Aufstieg freut. Ich will ein zweites Mal von der Schönheit der Berge überwältigt sein und ich will dabei ganz alleine sein, oder naja zu zweit. Zu zweit auf Neuseelands beliebtestem Wanderweg, wo sonst mehrere Busse Gleichheit Scharen von Touristen abladen.

Von dem Campingplatz im Whakapapa sind es gut 30 Minuten bis zum Start des Tongariro Alpine Crossings beim Mangatepopo Car Park. Dort wo vor ein paar Monaten alles begann und wo es jetzt enden soll! Ich packe die Sandwiches ein und kontrolliere ein letztes mal ob ich auch ja an alles gedacht habe. Besonders an das Wasser. Dann schnüre ich voller Vorfreude die Schuhe, richte die Stirnlampe und steige aus.

Klirrende Kälte umspielt meine Beine, ich rücke die Mütze zurecht und weiß, gleich wird es warm. Das Licht zum Boden gerichtet, geht es im Dunkeln los auf den 19 km langen Wanderweg. Es wird noch lange Dunkel sein, aber ich habe das ja alles schon einmal gesehen und beim Rückweg wird es hell. Nur 3 weitere Autos stehen auf dem verlassenen Parkplatz. Es ist nicht auszumachen, ob dort noch Leute drin schlafen oder ob sie auch schon losgegangen sind.

Und dann ist es so weit: ein kurzer Blick auf das Schild und los geht es auf den Schotter weg. Genau wissend, dass es nun etwa eine Stunde fast geradeaus geht bevor der Anstieg kommt. Der Mond spiegelt sich im Wasser, hinter dem Vulkan Ngauruhoe sieht man einen leichten hellen Schein. Und dann stehen wir nach 50 Minuten Weg vor den Stufen, die mir schon beim ersten Mal den letzten Nerv geraubt haben. Zu meiner Überraschung zähle ich nicht einmal 400 Stufen und nach etwa 15 Minuten stehen wir oben. Geschafft! Jetzt geht es über gefrorene Erde zum letzten Anstieg, es wird immer heller.

Hier auf der geraden Fläche erfasst mich die erste Windböe. Und nach der zweiten schon beschließen wir, wieder die Daunenjacken anzuziehen. Der Wind pfeift und ich will nur noch ankommen. Der Boden auf dem zweiten Anstieg ist vereist, es liegt Schnee und wir kommen nur langsam voran. Auf dem Scheitel des Red Crater ist der Wind so strak, dass ich mit dem großen Rucksack zwei Mal umgeworfen werden. Zusammengekauert und geduckt gehen wir langsam auf die Spitze des Berges zu. Nur um dann durch den gefrorenen Schotter weiter nach unten zu schlittern. Am Horizont sind die ersten Sonnenstrahlen zu sehen.

Es werden die ersten Fotos geschossen, bevor es ganz nach unten zu den Emerald Lakes geht. Es liegt Schnee und meine Hände frieren ein, eigentlich will mein Körper nur noch ins Bett, aber ich, ich bin überglücklich. Das noch ein zweites Mal geschafft zu haben und vor allem ganz alleine vor den Emerald Lakes zu stehen. Wir setzen uns nach getaner Arbeit hinter einen größeren Felsen und machen den Gaskocher an. Mit einem warmen Tee in der Hand und den ersten Sonnenstrahlen auf der Haut fühlt es sich gleich noch mal besser an.

Es geht doch: die bekannteste Wanderung Neuseelands, das Tongariro Alpine Crossing ohne eine andere Menschenseele zu gehen und den Sonnenaufgang einfangen. „Da müssen wir jetzt wieder hoch“, mit Blick auf den Schotterberg könnte man die Schönheit fast vergessen. „Ja“, sage ich „aber da sind wir schon ganz andere Dinger hochgegangen.“

Mt Doom - © Nando Kuschel
Mt Doom – © Nando Kuschel
Tee Pause bei Sonnenaufgang - © Nando Kuschel
Tee Pause bei Sonnenaufgang – © Nando Kuschel

Der Rückweg
– Emerald Lakes bis Mangatepopo Car Park

Und dann packen wir alles wieder ein und begeben uns auf den Rückweg. Ja wir gehen nicht bis ans Ende durch sondern einfach wieder zurück. Und das nur zum Teil, weil wir mit dem eigenen Auto auf dem Parkplatz stehen. Sonder viel mehr, weil wir den Weg ab den Emerald Lakes schon kannten und einfach keine Lust darauf hatten.

Ich bin immer noch erstaunt, dass es noch keiner der Insassen der Busse bis zum Red Crater geschafft hat. Erst als wir wieder oben stehen, sehen wir die ersten Menschen, die beim South Crater ankommen. Ich kann nicht aufhören zu grinsen, denn es tatsächlich ohne jeden anderen Touristen gesehen zu haben, was gleich Hunderte andere nur mit den Hundert anderen sehen können, ist ein überwältigendes Gefühl.

Auf dem Rückweg werden wir mehrmals angesprochen, warum wir denn schon zurückgehen, einer fragt sogar, ob es uns gut geht. Und dann antworten wir nur „Wir sind das alles schon gegangen und seit 4 Uhr morgens unterwegs.“ „Wow!“ ist meist die Reaktion. Ja, wow – das finde ich auch!

10 Tongariro Alpine Crossing Tipps

1. Vor allen anderen losgehen

Auch wenn du kein Frühaufsteher bist, reiße dich an diesem Tag zusammen, du wirst es nicht bereuen. Denn je weniger Menschen unterwegs sind, desto mehr Spaß macht es. Wenn du kannst, komme mit dem eigenen Auto oder lasse sich von einer Mitfahrgelegenheit vor den Touristenbussen (im Winter 6:30, im Sommer 5:30) hinbringen.

2. Den Sonnenaufgang einfangen

Gerade im Winter geht die Sonne erst gegen 8 Uhr auf, das heißt man muss gar nicht so früh losgehen, um das zu schaffen. Aber etwa 3 Stunden solltest für den Weg zum Red Crater (Fotospot) einplanen.

3. Weniger ist mehr

Die Wanderung ist zwar auf 7 Stunden angesetzt, du solltest aber auf Unmengen an Essen verzichten! Das beschwert den Körper nur und macht dich müde, wähle also lieber Dinge wie, Obst oder Gemüse, einen leichten Riegel und vielleicht einen bis zwei Sandwiches. Zunächst wird es dir wenige vorkommen, aber ein richtiges Hungergefühl stellt sich während körperlicher Anstrengung eher selten ein, das kommt dann danach. Frühstücke auch nicht zu schwer, richtig Power bekommst du mit einer guten Kombis aus Müsli und Obst. Vermeide Brötchen mit viel Aufschnitt oder fettiges am Morgen.

4. Die richtige Toilette

Du musst während der Wanderung nicht auf die Toilette verzichten, die richtige sollte es aber sein. Gleich zu Anfang gibt es zwei in kurzen Abständen, die immer überfüllt sind. Gehe mit gutem Gewissen daran vorbei und nimm die Toilette kurz nach den Soda Springs, vor den Treppen. Diese erreichst du nach etwa einer Stunden vom Parkplatz aus.

5. Toilettenpapier mitnehmen

Auf manchen Wanderungen in Neuseeland gibt es Toilettenpapier, das Tongariro Alpine Crossing ist keine davon. Also, nicht vergessen etwas einzustecken. Taschentücher können auch nie schaden 😉

6. Ausziehen, Anziehen, Ausziehen

Wenn ich eins gelernt habe, dann nie in voller Montur loszugehen. Egal wie kalt es ist, beim Wandern wird dir warm. Gehe zunächst noch mit einer Fleecejacke oder Daunenjacke los, aber ziehe sie aus, sobald dir warm wird. Denn wenn du geschwitzt bist und Pause machst, wird die eiskalt werden und dann reichen deine Jacken womöglich nicht. Also keine Scheu vorm An- und Ausziehen während der Wanderung, damit du trocken ankommst und weder frierst noch schwitzt! Extra Tipp: Egal was du vorher anhattest, gehe die Treppen (Soda Springs bis South Crater) mit höchstens 1-2 Lagen, ich garantiere dir, hier wird jedem warm.

7. Keine Angst vorm Berg

Das Schlimmste ist geschaff, wenn du beim Red Crater stehst und auf die Emerald Lakes hinabblickst. Bis nach unten sind es 10 – 20 Minuten, wenn du mutig bist. Viele versuchen den steilen Schotterweg nach unten ganz normal zu gehen. Das dauert und birgt die Gefahr zu fallen. Versuche ähnlich wie beim Skifahren mit den Fersen durch den Schotter zu rutschen. Deine Schuhe kannst du unten ausleeren.

8. Pause machen, wo sie nicht jeder macht

Alle, aber auch wirklich alle, machen Pause auf dem großen Platz direkt beim Red Crater. Die Aussicht dort oben ist einmalig, schnell so viele Bilder wie möglich machen. Aber mit der Pause noch 10 Minuten warten. Und zwar bis du unten bei den Emerald Lakes bist. Das türkis gefärbte Wasser ist die perfekte Hintergrundkulisse für deine Pause und nicht so voll, wie oben.

9. Wasser, Wasser, Wasser

Jetzt kommt die schon wieder mit Wasser mitnehmen. Ja, und man kann es auch gar nicht oft genug sagen, denn genau das wird so oft unterschätzt. Und mal ehrlich, wenn du meine Tipps befolgst, hast du ja schon beim Essen gespart, also noch mal ’nen halben Liter draufpacken 🙂

10. In der Nebensaison gehen

Klar, leichter gesagt als getan, man muss ja auch zur richtigen Zeit da sein. Wenn das aber auf dich zutrifft, dann mache das Crossing unbedingt im Winter. Es sind nicht nur signifikant weniger Menschen unterwegs, die Sonne geht auch später auf und die Landschaft ist mit ein wenig Neuschnee bedeckt auch einfach noch mal doppelt so schön!

7 Stunden Wanderung auf 12 Minuten

Damit es mit der Vorbereitung noch besser läuft, kannst du dir hier noch mein Video ansehen. Alle 6 Etappen mit Zeitangaben gibt es auf meinem YouTube Kanal:

Julia

Julia

Hi, ich bin Julia, 23 Jahre alt und habe mich vor gut einem halben Jahr entschieden, meinen sicheren Job an den Nagel zu hängen und mich selbstständig zu machen. Seitdem hat sich mein Leben und meine Einstellung dazu um 180° gedreht! Als Designerin kann ich meinen Job von überall auf der Welt ausführen und darüber bin ich unendlich dankbar. Im Januar habe ich meine Reise gestartet und mit Neuseeland begonnen, mittlerweile sitze ich in Australien! Also Cheers, wie der Australier sagt.

3 comments

  1. Hey 🙂 ich bin nur bis Mount Doom gelaufen. Bin am Mittwoch dort gewesen. Super schön aber körperlich nicht ohne. Wäre gerne den Mount Doom hoch aber das war einfach zu krass.

    Schöner Text 🙂

    Liebe Grüße

    1. Liebe Lara, der Mount Doom erfordert definitiv große Ausdauer und Kenntnis des Terrains. Für das zweite Mal kann ich es definitiv bis zu den Emerald Lakes und zurück empfehlen, das erste Mal komplett durchlaufen, will man aber schon mal gemacht haben, finde ich. Ich habe viele andere Wanderungen gemacht und fand diese ziemlich gut ausgebaut und einfach, das ich aber natürlich von Person zu Person verschieden. 🙂 Vielen Dank für den netten Kommentar! 🙂
      Liebe Grüße!

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