Tongariro Alpine Crossing Neuseeland - Mt Doom | © Boardshortslife

Tongariro Alpine Crossing – So sehen die 7 h der Wanderung aus

Das Tongariro Alpine Crossing gehört zu den wohl bekanntesten Wanderungen auf der Nordinsel Neuseelands. Die 5,5 – 7,5 stündige Wanderung ist extrem überlaufen und total auf Touristen ausgelegt. So viel Andrang habe ich noch bei keiner anderen Wanderung erlebt, was auch daran liegt, dass Shuttle Services ganze Busladungen von Menschen zu ähnlichen Uhrzeiten auf einem kleinen Parkplatz abladen. Der Track kann von einem der beiden Parkplätze (Mangatepopo oder Ketetahi car park) begonnen werden, wobei man Richtung Ketetahi weniger Steigung ablaufen muss. Da es sich nicht um einen Loop Track handelt, empfiehlt sich natürlich einer der besagten Shuttle Services, einige Trampen auch zurück.
Mein Tipp: Fang früh an! Wer sich für ein frühes Shuttle entscheidet, kann dem größten Andrang entgehen und hat zudem gutes Licht für die Fotos der wichtigsten Schauplätze des Alpine Crossings.

Ich war bei der Wanderung mit 3 weiteren Personen unterwegs, 2 davon hatten keine Wanderschuhe und wir haben mit allen Pausen (Fotos, Essen, Toilette) 7 Stunden gebraucht. Da alle Wege viel belaufen sind und gut in Stand gehalten werden (um viele Touristen anzuziehen), sieht man laufend Personen ohne Wanderschuhe – ist also durchaus machbar. Es sind keine Wander-/Kletterkenntnisse oder sonstige Kenntnisse erforderlich. Man sollte sich generell an den Tipps vom DOC orientieren und mindestens die dort empfohlenen Gegenstände einstecken. Ansonsten kann man auch recht unvorbereitet, was die Fitness oder das Wandern angeht, starten.

Das hatte ich auf dem Tongariro Alpine Crossing dabei

Von Mangatepopo Valley zu Soda Springs

Benötigte Zeit: 1 – 1 h 30 min

Start des Tongariro Alpine Crossing mit Blick auf den Mt Ngauruhoe
Start des Tongariro Alpine Crossing mit Blick auf den Mt Ngauruhoe

Nachdem du mit 20 anderen Touristen aus deinem Bus abgeladen wirst, triffst du auf geschätzt 100 weitere Menschen, die wohlgemerkt in deine Richtung gehen – natürlich starten zeitgleich weitere Busladungen aus der anderen Richtung. Da ich vorher nur weniger besuchte Wanderungen gemacht habe, war das erst mal ungewohnt und zugegebener Maßen etwas anstrengend. Es macht hier übrigens keinen Sinn zu warten bis der Ansturm vorbei ist, denn im 30 Minuten Takt kommen weitere Busse. Entzerren wird sich das Ganze auch nicht, da dir wie gesagt weitere Busladungen entgegenlaufen und der Weg sehr begrenzt ist und wenig Ausweichmöglichkeiten bietet.

Vor dem Weg findest du hier noch mal Toiletten und nach etwa 10 Minuten laufen auch noch mal – natürlich inklusive Schlange 😉
Der Weg geht ganz gemächlich los, ein Gemisch aus Schotter und Erde auf einer recht ebenen Fläche. Schon hier hat man eine tolle Aussicht auf den Mt Ngauruhoe und sieht einzelne Sonnenstrahlen, der gerade aufgehenden Sonne. Der Weg führt mal auf Holzplanken, mal auf Erde vorbei am Mangatepopo Stream, zwischendurch immer wieder ein paar Treppen, ansonsten ein moderater Anstieg und vor allem seichter Einstieg.

Soda Springs – Zusätzlicher Weg

Benötigte Zeit: 15 min, return 

Soda Springs
Soda Springs

Nähert man sich dem Aufstieg zum South Crater erreicht man Schilder, die einen 15 minütigen Weg (hin und zurück) zu den Soda Springs anpreisen. Diese sind vom Weg aus schon zu sehen und gut zu erreichen, vor allem da man noch am Anfang seiner Kräfte steht. Die kleinen Wasserfälle „sprudeln“ über fest gewordene Lava und man sieht deutlich, wie in der Nähe alles grüner wird. Gelbe Butterblumen lieben die sumpfige Landschaft und leuchten mit dem Gras um die Wette.

Von den Soda Springs zum South Crater

Benötigte Zeit: 1 hr

Aufstieg über Treppen zum South Crater
Aufstieg über Treppen zum South Crater

Zurück auf dem Hauptweg wird es dann ernst: Schilder weisen an umzukehren, wenn man sich den Anstieg, der schon eindrucksvoll hinter dem Schild zu sehen ist, nicht zutraut. Wenn man genügend Vorräte dabei hat und ein normale Fitness Level, ist das aber kein Problem. Zähne zusammenbeißen und die 340 Meter anstieg in Angriff nehmen. Hier geht es jetzt durch erstarrte Lava auf Treppen steil nach oben. In einer Kolonne von Menschen schlängelst du dich langsam Richtung South Crater. Oben angekommen, lohnt sich der Blick zurück ins Tal. Von hier aus kann man den Sidetrack zum Summit des Mt Ngauruhoe wagen (1 – 1,5 h hoch, keine Markierungen, Klettern). 1 von 2 Stunden des anstrengendsten Anstiegs sind nun geschafft. Trinken nicht vergessen!

South Crater to Red Crater

Benötigte Zeit: 45 min – 1 h

Gut festhalten auf dem Weg zum Red Crater
Gut festhalten auf dem Weg zum Red Crater
Blick auf den Red Crater, Mt Ngauruhoe im Hintergrund
Blick auf den Red Crater, Mt Ngauruhoe im Hintergrund

Etwa 200 Höhenmeter geht es nun noch durch unbefestigtes Gelände hoch zum Red Crater, der etwa 1900 Meter über dem Meeresspiegel liegt und ein echtes Fotomodel ist! Rote Pigmente bilden einen tollen Kontrast zu der fast schwarzen erstarrten Lava. Über Schotter geht es hier langsam nach oben, an einer Stelle führt ein Stahlseil zum halten am Abgrund vorbei. Eine kurze Anstrengung aber definitiv halb so wild. Oben angekommen bietet sich eine bewachsene Schotterfläche zum Picknick an. Von hier aus geht es praktisch nur noch bergab, denn den höchsten Punkt des Tongariro Alpine Crossing, 1886 Höhenmeter, hat man nun erreicht.

Red Crater to Emerald Lakes

Benötigte Zeit: 10 – 20 min

Emerald Lakes beim Tongariro Alpine Crossing
Emerald Lakes beim Tongariro Alpine Crossing

Wo wir gerade bei bergab waren: Jetzt geht es steil wieder herunter – und zwar auf Schotter. Mit Wanderschuhen ein Weg von 10 Minuten, da man wunderbar herunterrutschen kann. Der Vergleich hinkt ein wenig, aber etwa so wie auf Skiern geht es auf kristallklare und wunderschöne blaue Seen zu. Das absteigen muss man sich aber trauen! Einige, besonders die, ohne Wanderschuhe sind regelrecht herunter gekraxelt, bei dem Versuch ganz normal zu gehen. Nach ein paar Mal ausprobieren hat man das „Ski fahren“ dann aber raus. Wer versucht zu gehen, kann hier auch mal die doppelte Zeit brauchen und sich auf die Nase legen.

Bei den Seen angekommen, darf man nicht vergessen ein Bild zu machen! Die Seeen sind nicht nur durch und durch in den schönsten Blautönen eingefärbt, sondern am Rand auch gelb bis orange verfärbt. Diese Schwefelablagerungen riecht man dann auch 😉
Nach diesem tiefer gelegenen Punkt des Tongariro Alpine Crossing geht es ein Stückchen bergauf, aber wirklich nur leicht. Wir waren zwar ganz gut erschöpft, an diesem Punkt fehlte uns eher die Toilette, auf die wir allerdings nicht lange warten mussten.

Emerald Lakes to Ketetahi shelter

Benötigte Zeit:1 hr – 1 hr 30 min

Blue Lake
Blue Lake
Ausblick vom letzten Stück des Alpine Crossing
Ausblick vom letzten Stück des Tongariro Alpine Crossing
Te Maari Steam
Te Maari Steam

Ein Stück bergauf liegt der Blue Lake. Nicht so türkisblau wie die Seen, aber definitiv ein Foto wert! Der Weg schlängelt sich dann um den See herum und über Schotter bergab zum Ketetahi shelter. Hier befindet sich eines der sechs Toilettenhäuschen des Tongariro Alpine Crossing. Natürlich hieß es auch hier: Schlange stehen. Auf dem Weg sieht man immer wieder rauchende Stellen, die einem vor Augen führen, dass man sich hier nicht nur in einem Thermalgebiet befindet, sondern auch in einem aktiven Vulkangebiet.

Ketetahi shelter to Ketetahi parking area

Benötigte Zeit: 1 hr 30 min – 2 hr

Von hier aus geht es dann um das reine „Ankommen“. Die Füße tun weh, die Lust lässt nach und man ist an allen großen Sehenswürdigkeiten des Tongariro Alpine Crossing vorbei. Stumm geht es bergab über sich windende Schotterwege auf das letzte Waldstück zu. Im Wald angekommen geht es über Treppen und Matsch weiter bergab zum Parkplatz. Wir wollten zum Schluss nur noch die Lichtung des Parkplatzes sehen und waren froh es geschafft zu haben.

Jede Wanderung hat ein Stück, auf dem es nur noch um das nach Hause kommen geht und es anstrengend macht durchzuhalten. Hier muss man Durchhaltevermögen beweisen und sich freuen, wenn man 7 Stunden nur gelaufen ist und so tolle Landschaften sehen durfte. So eine Erfahrung vergisst man nie!

Hier gibt es Infos zum Tongariro Alpine Crossing vom DOC.

Tongariro Alpine Crossing Teil 2

Mittlerweile bin ich zum zweiten Mal vor Sonnenaufgang das Tongariro Alpine Corssing gegangen und ganz andere Erfahrungen gemacht. Schau dir die Bilder und das Video hier an: http://www.boardshortslife.com/die-10-besten-tipps-fuer-dein-tongariro-alpine-crossing/

Julia Unkrig

Julia Unkrig

Hi, ich bin Julia Unkrig, 26 Jahre alt und habe mich Ende 2016 entschieden, meinen sicheren Job an den Nagel zu hängen und mich selbstständig zu machen. Seitdem hat sich mein Leben und meine Einstellung dazu um 180° gedreht! Als Designerin kann ich meinen Job von überall auf der Welt ausführen und darüber bin ich unendlich dankbar. Im Januar 2017 habe ich meine Reise mit Neuseeland und Australien begonnen und reise nun im eigenen Van durch Norwegen!

2 comments

  1. Hej Julia, ich habe Dein Video von der Crossing gesehen und genossen. Ich bin sie schon ein paarmal gelaufen. Mich wundert nur, dass Du am Anfang einmal im O-Ton darüber sprichst, wie touristisch alles ist und wie viele Leute da unterwegs sind. Ich schreibe seit Jahren Reiseführer der alten, der analogen Art (DuMont Reisehandbuch Neuseeland). Und da steht schon seit etlichen Ausgaben drin: „Liegen die Berge frei vor blauem Himmel, stechen die Emerald Lakes in knalligem Türkis aus dem Grau der Geröllhänge hervor und schweift der Blick ungetrübt bis zum Mt Taranaki im Westen oder über den Lake Taupo im Norden, dann ist die Tongariro Alpine Crossing (5–8 Std.) ohne Zweifel eine der schönsten Tageswanderungen der Welt. Aber es ist eine Hochgebirgstour. (…) Und einsame Berge sind auch etwas anderes: Am ersten schönen nach mehreren ›No-Go‹-Tagen zählt das DOC schon mal über 1500 Wanderer auf dem Track. Um dem Gedränge auszuweichen, starten geführte ›Pre-Dawn‹-Touren den Aufstieg gern 2 Stunden vor Sonnenaufgang …“
    Ich habe gerade in der Aktualisierung für die nächste Ausgabe die Zahlen hoch gesetzt. DOC spricht jetzt von gut 2000 an „normal“ guten Tagen… aber was sage ich Dir. Du hast es erlebt. Aber Du hättest Dich bei dem ganzen Hype der um die Tour gemacht wird, wirklich nicht wundern müssen. Meine Lieblingsalternativen sind übrigens der Tama Lakes Tramping Track (war ich beim letzten Mal fast allein unterwegs) und mit Guide der Mt Ruapehu Crater Climb! Wenn Du im Frühjahr noch da bist, kann ich Dir den nur empfehlen – spektakulär, aber man sollte ihn wirklich nur mit Guide propagieren, denn der Rückweg ist ohne Ortskenntnis schwer zu finden.
    Und ich schau mal mit Interesse, was ich noch von Dir zu sehen kriege!

    1. Lieber Hans,
      danke für dein ausführliches Feedback! Ich finde, dass man die Info, die ich im Video gebe, nicht nicht sagen darf, nur weil es schon in vielen Reiseführern steht. Es geht einfach um die Darstellung einer Information, die ich gerade bei dieser Wanderung für sehr wichtig erachte, da man entsprechend planen kann.Du hast Recht: das weiß doch schon jeder, aber ich wollte meine ehrlichen Worte nicht weglassen und vielleicht führt das ja auch irgendwann dazu, dass die Besucherzahlen mal eingedämmt werden. Hinzu kommt, dass ich die Wanderung erst nach einigen Wochen in Neuseeland gemacht habe und vorher bereits viele Wanderungen (auch Tageswanderungen), bei denen Einheimische sich bereits über Touristen „beklagten“ und ich dann meist nur 3-5 Menschen auf dem ganzen Track gesehen habe. Daher konnte ich mir dieses Ausmaß schlichtweg noch nicht vorstellen.
      Aber um da mal anzuknüpfen, ich habe das Tongariro Crossing ja noch ein zweites Mals gemacht, ohne Guide und weit vor Sonnenaufgang und kann dies nur jedem empfehlen, der nicht zum ersten Mal wandert. Wenn du Interesse hast, schau doch gerne mal in den Beitrag (ohne Video), da habe ich die Wanderung vor Tagesanbruch beschrieben: http://www.boardshortslife.com/die-10-besten-tipps-fuer-dein-tongariro-alpine-crossing/

      Liebe Grüße!

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